Warum mein Herz beim Preboarding schlägt
Die Wochen vor dem ersten Arbeitstag entscheiden, ob ein neuer Mitarbeiter ankommt oder nur anfängt.
Der Vertrag ist unterschrieben. Sie haben einen guten Mitarbeiter gefunden, mitten in der Saison, nach Wochen Suche. Sie atmen durch, und das dürfen Sie auch. Der erste Arbeitstag ist in fünf Wochen, und bis dahin gibt es genug anderes zu tun.
Auf der anderen Seite sitzt jemand, der sich gerade für Sie entschieden hat. Für Ihr Hotel, für Ihr Team, vielleicht für einen neuen Ort zum Leben. Er hat sich gefreut, als die Zusage kam. Und dann wird es still. Kein Anruf, keine Nachricht, kein Zeichen. Die Vorfreude, mit der er unterschrieben hat, bekommt in diesen Wochen nichts zu essen.
Das ist kein Desinteresse, das weiß ich. Im vollen Betrieb ist ein Mitarbeiter, der erst in fünf Wochen anfängt, schlicht noch nicht da. Er steht auf keinem Dienstplan, und keine Aufgabe erinnert an ihn. Die Stille entsteht nicht, weil Ihnen der Mensch egal wäre. Sie entsteht, weil niemand daran denkt, dass da schon jemand wartet.
Was Preboarding ist
Preboarding ist die Zeit ab der Vertragsunterschrift bis zum ersten Arbeitstag. Der Begriff klingt technisch, gemeint ist etwas sehr Einfaches: in diesen Wochen eine Beziehung aufzubauen, bevor die Arbeit beginnt. Der erste Eindruck entsteht nicht am ersten Tag. Er entsteht in den Wochen davor, im Warten, im Schweigen oder in einem Zeichen, dass man sich freut.
Genau deshalb liegt einer meiner Schwerpunkte auf dieser Phase. Sie ist eines meiner Herzensthemen, weil hier mit so wenig Aufwand so viel entsteht. Wertschätzung kostet nichts. Sie beginnt ab Tag 0, mit dem Preboarding. Und sie ist wichtiger als jeder Obstkorb im Pausenraum.
Warum das in der Hotellerie mehr zählt als anderswo
In anderen Branchen hat ein neuer Mitarbeiter Wochen, um sich einzufinden. Einen vierwöchigen Welpenschutz gibt es in der Hotellerie nicht. Ihr neuer Mitarbeiter startet mitten in der Saison, an einem Anreisetag, wenn das Haus voll ist und jeder im Team seine eigenen Tische hat. Es ist niemand da, der ihn wochenlang an der Hand nimmt, und das kann sich auch niemand leisten.
Umso wichtiger ist, was vorher passiert. Wenn er am ersten Tag schon weiß, wer ihn empfängt, wer sein Buddy ist und was Ihnen in Ihrem Hotel wichtig ist, dann beginnt er nicht bei null. Er kommt an, lange bevor er das Haus zum ersten Mal von innen sieht. Und er kann das tun, wofür Sie ihn geholt haben: gut ankommen, sich als Teil des Teams fühlen und so schnell wie möglich selbstständig mitarbeiten.
Denn gute Mitarbeiter entscheiden schon in den ersten Stunden, ob sie bleiben. Und gutes Personal ist schwer zu finden, aber es ist auch zu teuer, um es in den ersten Wochen zu verbrennen.
Was ein neuer Mitarbeiter in dieser Zeit braucht
Nicht viel. Ein paar bewusste Zeichen zur richtigen Zeit:
Dass sich jemand freut. Kurz nach der Zusage eine persönliche Nachricht aus dem Team. Wir freuen uns auf dich, und du wirst genau in unser Team passen. Dazu eine feste Ansprechperson, die er ab jetzt mit allem fragen darf. Ein Satz aus dem Team wirkt hier stärker als jedes Formschreiben.
Dass er dazugehört, bevor er da ist. Ein kurzer Anruf vom direkten Vorgesetzten, ohne Skript, einfach von Mensch zu Mensch. Der Dienstplan der ersten Woche. Der Name des Buddys, der ihn am ersten Tag begleitet. Ein Name nimmt der ersten Woche die Fremdheit.
Dass er weiß, was ihn erwartet. Ein, zwei Tage vor dem Start noch einmal klar: wann, wo, wen zuerst ansprechen. Und intern der letzte Blick, ob Spind, Schlüssel und Dienstkleidung wirklich bereit sind. Wer weiß, was kommt, kommt ruhiger an.
Stellen Sie sich vor, Ihr neuer Mitarbeiter kommt am ersten Tag durch die Tür und ist schon Teil des Teams. Er kennt Namen, er kennt seinen Plan, er weiß, wofür Ihr Hotel steht. Die Vorfreude ist noch da, und Vorfreude ist ja bekanntlich die größte Freude. Sie musste nur die Wochen überstehen, in denen sonst nichts passiert. Menschen wachsen an dem, was sie wissen dürfen. Beim Preboarding dürfen sie es schon, bevor sie anfangen.